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Zwei Seelen (2006)

1. Geist aus der Vergangenheit
Ich bin nur ein Geist aus der Vergangenheit für Dich
Du freutest Dich schon auf ein Leben ohne mich
Doch von den Ketten liess man mich ein letztes Mal zu Dir
Soll'n Herzen wieder Flammen sein
Und zittert nun vor mir das Leben!
Wie soll ich Dich noch finden, wenn im Dämmerlicht Du stehst?
Wie soll ich Deinem Schritt noch folgen, der ins Dunkel flieht?
Doch von den Ketten liess man mich ein letztes Mal zu Dir
Dass uns're Herzen wieder Flammen werden -
Man gebe mir das Leben!
Wie kannst Du ruhig schlafen, da Du weisst, ich lebe noch?
Kniend wache ich bei Dir und spür' das Leben, doch
Wieder werd' ich brennen, rufen, warten auf ein Wort von Dir
Obwohl das Bild zerbrochen und das
Denkmal längst gestürzt in mir
Und nichts als Staub geblieben ist
Und die Erinnerung mich frisst...
Glaube mir, Du wunderschönes
Du wunderschönes Kind
Ich lebe und bin stärker
Als all diese Toten sind!
Glaube mir, Du wunderschönes
Du wunderschönes Kind
Ich lebe länger noch in Dir
Da wir nichts weiter
Als die Geister einer toten Liebe sind!

2. Wer lieben will
Träumst Du Dir nicht einen Helden,
Den Poeten - weit entfernt -
Der Dich mit schönen Worten schmückt?
Nein...das hab' ich nie gelernt!
Träumst Du Dir nicht einen Prinzen,
Der die Sterne Dir verspricht -
Der Dir die Welt zu Füssen legt?
Nein...das könnt' ich sicher nicht!
Leih' mir Deinen Mund für diesen Augenblick
Nicht küssen will ich Dich, nur mit Dir schweigen.
Glaube mir, dass solche Zeiten zeigen,
Dass wie Unkraut wächst für uns das Glück.
Es macht sich noch den kleinsten Platz zu eigen
Und kehrt stets zu Dir und mir zurück!
Lange sehe ich den Lichtern nach,
Wie unser Leben fährt dahin.
Und lange stehen wir noch hier -
Ich ganz nah' neben Dir!
Was jetzt nicht mehr zu ändern scheint:
Wir kamen wohl zu spät, es weint
Der Wind durch leere Hallen
Und so gehen wir...
Und die Marmorputten weinen:
„Amors Köcher sind längst leer!"
Ausgedient, Ihr süssen Kleinen,
Habt Ihr - Euch braucht niemand mehr!
Und das Schicksal von uns beiden
Scheint auch unser Fluch zu sein:
Wer lieben will, der hat zu leiden!
Wer lieben will, hat blind zu sein!

3. Tote Garten
Urnen füllen sich und Krüge
Mit der Jahre grünem Moose
Es verliert im Busch der Weg sich längst
Es verwilderte die Rose
Rost stürzt durch die Tür der Grüfte
Wo die Gräser fröhlich spriessen
Schloss und Riegel bröckeln nieder
Was ist hier noch zu verschliessen?
Nutzlos sind die Lebenslettern
Denen, die so tief hier schlafen
Namen lösen sich und Zahlen
Von den alten Epitaphen
An den Steinen, die zerfallen
Und an den Kreuzen, die sich neigen
Merkst Du, dass die Totenklagen
Längste geheilt sind durch das Schweigen
Denn es löst die Zeit die Schmerzen
Die uns bleiben als Vermächtnis
Länger währt das Reich der Toten
Als der Lebenden Gedächtnis!

4. Es brennt die Welt
Die Stadt liegt dunkel in der Nacht
Er hat ihr Blumen mitgebracht
Durch dunkle Gasse führt sein Weg zu ihr
Nur ein paar Schritte bis zur Tür
Als er sich sicher dann schon meint
Ein helles Licht am Himmel scheint
Ein dumpfes Grollen - Donnerhall
Bald sind die Flammen überall
Und kaum aus seinem Traum erwacht
Erhellen Feuer schon die Nacht
Blutrot erstrahlt ihm jetzt die Welt
Da seine Liebe in Asche zerfällt
Es brennt die Welt!
Und während noch die Bomben fallen
Schreie durch die Gassen hallen
Sehe ich in Dein Gesicht und fürcht' den Tod doch nicht
Doch uns're Liebe ist gefallen
In diesem Krieg und zwischen all
Den Trümmern uns kein Licht erhellt
Es brennt die Welt!
Und während noch die Bomben fallen
Schreie durch die Gassen hallen
Sehe ich in Dein Gesicht und fürcht' den Tod doch nicht
Doch uns're Liebe ist gefallen
In diesem Krieg und zwischen all
Den Trümmern wächst kein Morgen uns
Und während Staub und Blut sich mehrt
Und Wind durch Deine Asche fährt
Erträum' ich Dein Gesicht und fürcht' den Tod doch nicht
Denn uns're Liebe ist gefallen
Vor langer Zeit, doch zwischen all den Trümmern
Man an hellen Tagen sieht
Dass Deine Blume wieder blüht!

5. Bevor Du gehst
Sahst Du jemals meine Tränen, die ich weinte manche Nacht?
Kennst Du einen meiner Träume, weisst Du, was mich glücklich macht?
Hörtest niemals meine Worte, die ich sagte oft zu Dir.
Trotzdem fehlt Dein Lachen, Deine Tränen, Deine Schritte neben mir!
Wie kann ich schreien ohne Stimme,
kann ich sehen ohne Licht,
kann ich fliegen ohne Himmel?
Wie kann ich lieben ohne Dich?
Doch dreh Dich bitte um zu mir.
Bevor Du gehst, bleib noch mal steh'n.
War ich ein kleines Stück von Dir.
Ist es vorbei - dann kannst Du geh'n.
Lautlos Deine letzten Worte, ist doch alles schon gesagt.
Viel zu lang die letzten Blicke, kaum dass ich es noch ertrag.
Unsichtbar ein letzter Kuss, was ist nur mit uns geschehen?
Trotzdem werde ich weiteratmen, weiterlieben, weitergehen.
Wie kann ich schreien ohne Stimme,
kann ich sehen ohne Licht,
kann ich fliegen ohne Himmel?
Wie kann ich lieben ohne Dich?
Doch dreh Dich bitte um zu mir.
Bevor Du gehst, bleib noch mal steh'n.
Und wär's ein kleiner Schritt von Dir
Ist es vorbei - lass ich Dich geh'n.
Doch dreh Dich bitte um zu mir.
Halt meine Hand, geh noch nicht fort.
Gibt's ein „vielleicht" - dann schliess die Tür
Und bleib!

6. Man sagt
Man sagt, die Zeit heile die Wunden
Ich glaub', das hast Du nur erfunden
Denn sooft ich mich auch nur betasten mag
Das Blut an meinen Händen trag ich immerzu.
Man sagt, die Welt, sie drehe Runden
Ich glaub', das hast Du nur erfunden
Denn sooft ich auch nach oben schau'
Der Himmel scheint in stetem Grau mir immerzu.
Ich weiss nicht, was man sagt
Ich weiss nicht, was Du hören willst
Ich weiss nicht, was an meiner Welt
Du immerzu zerstören willst.
Ich weiss nur, dass in dieser Zeit
Die meinem Ich beschieden bleibt
Ein jedes Wort mich wirft hinab
Zurück in eine Zeit, in der es Dich für mich nicht gab!

7. Kein Hauch von Leben
Ein dumpfes Grollen hallt hernieder, durchdringt die Gassen dieser Stadt,
Und bricht sich an den Mauern wider, die rostig braun und brüchig matt.
Ein trüber Nebel hüllt die Häuser in grabesschwere Schleier ein,
Ein Atem, wie aus tausend Mäulern, die längst schon sollten Staub nur sein.
So streife ich durch dunkle Strassen - getrieben von der Einsamkeit,
Die Welt erscheint wie hohle Phrasen; kein Menschenleben weit und breit.
Die schwarzen Fenster starren leblos auf Stahlbeton und toten Stein,
Und ewig trägt ein kalter Windstoss Asche durch den Dämmerschein.
Im fahlen Lachen stimmen Lichter schemenhaftes Zwielicht an,
Die Schatten tragen stumm Gesichter, als quäle sie ein bittrer Bann.
Und ziellos wandre ich durch Strassen, getrieben von der Einsamkeit,
Die Welt hat mich allein gelassen, kein Hauch von Leben weit und breit.
Und dort, in diesem Trümmerfeld, liegt ein Kadaver faulend brach,
Schon morsch sind seine kalten Hände; er zeugt von Elend tausendfach.
So ruhe ich vor den Gebeinen in grenzenloser Einsamkeit,
Und spüre nun, es sind die meinen, kein Hauch von Leben weit und breit.

8. Siehst Du mich in Dir?
Hast Du mich vermisst?
Hast Du Dir vorgestellt, wie es wohl ist,
Von mir befreit zu sein?
Komm' ganz nah', lausche mir,
Ich sage Dir:
Nichts von alledem, was Dir versprochen war
Ist Wirklichkeit; und nichts auf dieser Welt
Liebt Dich so sehr, wie ich es immer tat!
Siehst Du mich wachsen - die Leere in Dir...
Fühlst Du mich blühen - das Nichts schenk' ich Dir...
Spürst Du mich leben - ich atme hier...
Siehst Du mich kommen - ich wachse in Dir!
Hast Du es getan?
Hast Du Dir vorgestellt, wie es wohl sei,
Nichts mehr zu sein?
Komm' ganz nah', lausche mir,
Ich sage Dir:
Nichts von alledem, was Du begehrst,
Ist jemals Dein; und leergebrannt zu sein
In dieser Welt ist wohl, was Du erfährst!
Siehst Du mich wachsen...

9. Zwei Seelen
Leg' Deinen müden Kopf in meinen Schoss!
Ich weiss genau, woher die Sorgen stammen
Auf Deiner Stirn. Ich kann die Not nicht bannen!
Doch heute spreche ich Dich davon los.
Komm, tröste Dich mit dem Moment beisammen!
Ich streiche Dir sehr sachte übers Haar.
Daraus entsteht für einmal nicht Begehren.
Ich will nur dieser Welt den Rücken kehren
Und nehme ihre Sorgen nicht mehr wahr.
Lass mich auch Dir den kleinen Trost gewähren!
Zwei Seelen warten hier auf Dich bei mir -
Komm' den weiten Weg und ruhe aus!
Was ich suche find' ich nur in Dir,
Und was ich mit mir führe sei auch Dein Zuhaus'!
Zwei Seelen warten hier auf Dich bei mir -
Und sollt' es immer sein, so bleibe hier!
Was ich suchte, war ein Stück des Himmels nur,
Und was ich suchte, fand ich nun in Dir!
Du brauchst vor mir den Starken nicht zu spielen;
Ich kennen Deine Angst. Ist es nicht bloss
Ein kleiner Kampf? Die Welt bleibt viel zu gross
Und fügt sich nicht. So geht es vielen!
Doch Du - leg' Deinen Kopf in meinen Schoss!
Zwei Seelen warten hier auf Dich bei mir...

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